

Es gibt da draußen einen Menschen. Einen Menschen der mich besser kennt als ich mich selbst. Einen Menschen den ich besser kenne als er sich selbst. Einen Menschen mit dem ich die schönste Zeit meines Lebens verbringen durfte. Einen Menschen, der nicht immer einfach war – genau wie ich selbst nie einfach war und sein werde. Einen Menschen dem ich alles gab was ich habe. Einem Menschen der alle Freiheiten bekam, weil einengen immer etwas von einem Zwang hat. Zwänge verändern einen Menschen. Ich nahm diesen Menschen so wie er war. Wenn man einen Menschen erst ändern muss, bevor man sich ihm bedingungslos hingeben kann stimmt etwas nicht. Wir gaben uns bedingungslos zueinander hin, ergänzten uns und glichen uns gegenseitig aus. Es schien wie im Bilderbuch zu sein. Zwei Menschen die sich gefunden hatten und die ewig glücklich miteinander sein könnten. Doch dann begannen sich die Menschen langsam aber stetig voneinander zu entfernen. Der eine Mensch ging immer öfters alleine weg, während der andere ihn immer seltener sah. Wenn sie sich trafen war sein Kopf da, sein Herz hatte er aber auf dem Weg zu ihr verloren. Manchmal spürte er wie sein Herz dem Verstand sagte, dass es ihrem Herz sagen soll, dass es Angst spürt. Ausgelöst durch immer mehr Treffen nach Terminplan, geplant von morgens bis abends mit Unternehmungen und allem drum und dran. Die beiden lebten nicht mehr, sie folgten nur noch dem Plan. Auf dem Plan stand nichts von Hingebung und Stunden in denen man sich nah ist. Doch man verließ sich auf den Plan und wollte dem vor Schmerz schreienden Herz nicht glauben, dass der Plan alles ins Verderben stürzen würde. Dann kam der Tag an dem sich die beiden Menschen nicht einmal mehr umarmen wollten, waren die Gefühle doch so unvertraut und abgestumpft. Die Gefühle hatten sich in einer dunklen Ecke versteckt und beobachten die beiden Menschen. Sie sahen andere Gefühle. Schmerz in den Augen und Tränen auf den Wangen. Verzweiflung machte sich breit, weil man Gefühle nicht mit dem Kopf steuern kann. Der Kopf ist ohnehin ein schlechtes Werkzeug wenn es um Gefühle geht. Was der Verstand versteht und das Herz fühlt sind immer zwei unterschiedliche Dinge, die verschiedener nicht sein könnten. Nur wer den Verstand vergessen kann, das Herz sprechen lässt, kann tun was es fühlt. Wenn das Herz alles steuert und man nicht ständig über Konsequenzen und Unsicherheiten nachdenkt, sich einfach seinen Gefühlen hingibt, ja dann kann man lieben und Liebe erfahren. Alles andere ist nur Kalkulation. Sie umarmten sich in ihrer Verzweiflung und wussten beide nicht, wie es mit ihnen weitergehen soll. Die Menschen trennten sich an diesem Abend voneinander, die Herzen wild vor Schmerzen schreiend, weil sie spürten dass sie zueinander gehören. Jetzt wo sie sich gefunden hatten, sollten sie sich nicht voneinander entfernen. Die Wunden sind noch immer dort wo sie an diesem Abend waren. Es ist nichts geheilt, alles ist noch offen. Kürzlich trafen sich die beiden Herzen wieder, ohne geahnt zu haben, was passieren könnte. Der Verstand hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Doch als sich die Herzen näherten stellte sich ein längst verloren geglaubtes Gefühl ein. Das Gefühl zu tun was man fühlt. Das Gefühl den Verstand zu vergessen. Das Gefühl das man nur hat wenn sich die Herzen einig sind. Das Gefühl das richtige zu tun. Sie saßen auf dem Balkon, redeten über belanglose Dinge und schauten sich dabei in die Augen. Ihr Herz flüsterte seinem, dass ihre Augen leuchteten, woraufhin es ihr seine Augen gleich taten. Dann bespritzen sich die beiden wie in Kindertagen mit dem Wasser, das sie eigentlich trinken wollten. Man spürte die Unsicherheit der beiden Menschen in dieser Situation klar und deutlich, weil sich die Herzen plötzlich lautstark meldeten. Sie schauten sich in die Augen und wussten genau was los ist. Diese Momente in denen man sich ansieht und genau weiß, was der andere denkt. Momente die nie einseitig sind, da es sonst nicht einer dieser Momente wäre, den man als so besonders wahrnimmt. Diese Momente sind unendlich wertvoll, sagen sie doch was man nicht auszusprechen versucht, weil der Verstand etwas anderes sagt. Sie nahmen es wahr, sprachen aber nicht darüber. Er bekam Herzklopfen und führte ihre Hand an das Herz, damit sie es auch spüren konnte. Als sie sich voneinander verabschiedeten küssten sie sich, weil es das Herz so wollte. Dann kam der Verstand und sagte es sei nicht gut, was sie da tun. Sollte man den Verstand über das Herz siegen lassen, nur um ihm recht zu geben? Sollte man Gefühle unterdrücken, die man irgendwann nicht mehr unterdrücken kann? Sollte man Gefühle nicht leben?
„Dein Problem das bist du allein. Du bist nie du selbst gewesen. Ein solches Leben macht innerlich leer und du suchst nach jemandem der diese Leere wie durch ein Wunder ausfüllt. Doch niemand kann das. Nur du selbst, “ las er am Abend in einem Buch, dass er schon länger neben dem Bett liegen hat. Das Buch hatte er sich von ihr einmal ausgeliehen. Er musste bei diesem Satz an sie denken.
Sein Herz flüsterte ihm, dass es noch nicht vorbei ist.