Operatives Wissen: Das unreine Reinheitsgebot

Symbolbild: Bier

Was PVPP im deutschen Reinheitsgebot zu suchen hat
Wasser, Malz und Hopfen – mehr braucht man laut dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 nicht für ein gutes Bier. So wird es zumindest Tag für Tag in Werbespots, auf Bierflaschen und bei Brauereiführungen gepredigt. Dass man im Laufe der Jahre Änderungen im Reinheitsgebot zugelassen hat, wird nicht erwähnt. So steht im Vorläufigen Biergesetz (VorlBierG) aus dem Jahre 1993 z.B.:

Vorläufiges Biergesetz §9 Absatz 6
Als Klärmittel für Würze und Bier dürfen nur solche Stoffe verwendet werden, die mechanisch oder adsorbierend wirken und bis auf gesundheitlich, geruchlich und geschmacklich unbedenkliche, technisch unvermeidbare Anteile wieder ausgeschieden werden.


Dass im Vorläufigen Biergesetz Absätze enthalten sind, die viel mehr erlauben als der Kunde erfahren soll, wissen die wenigsten. Ebenso die Tatsache, dass es das Reinheitsgebot von 1516 nicht mehr gibt – es ist schlichtweg im VorlBierG aufgegangen.

Und so geschah es, dass ich bei einer Brauereiführung, an äußerst schicken blauen Plastikfässern vorbeigeführt wurde. Versehen waren sie mit Etiketten und der Bezeichnung: „Bierklärmittel“. In Fachkreisen besser als Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) bekannt.

Polyvinylpolypyrrolidon ist ein Kunststoff, der in einer chemischen Reaktion aus Vinylpyrrolidon hergestellt wird und vom Körper nicht aufgenommen wird, aber mit dem Bier in Kontakt kommt. Ob die PVPPs wirklich nicht im Endprodukt verbleiben, oder ob doch „technisch unvermeidbare Anteile“ im Endprodukt vorhanden sein können ist unklar. Polyvinylpolypyrrolidon gilt als unbedenklich. Verbraucherschützer raten dennoch vom häufigen Verzehr ab.

Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigt, wird, passend zur aktuellen Debatte um Lebensmittelzusätze und Lebensmittelskandale, feststellen, dass nicht alles rein ist wo „rein“ draufsteht. PVPP stellt in diesem Zusammenhang einen sogenannten technischen Hilfsstoff (Nichtzutat) dar, der nicht deklariert werden muss.

Der eigentliche Skandal ist nicht dass es benutzt wird, sondern auf welche Art und Weise. Die Werbung verspricht uns mit blühende Landschaften und reinstem Wasser ein absolutes Naturprodukt, das natürlicher nicht gebraut werden kann. Dass PVPP von Chemiekonzernen hergestellt wird, findet, wie so oft in der Lebensmittelindustrie, aufgrund laxer Kennzeichnunspflicht, keine Erwähnung.

Die Hersteller bewerben ihre PVPP-Produkte mit Vorteilen wie:

Keine Deklarationspflicht – weil das Produkt bei der Filtration vom Bier getrennt wird, ist es kein Zusatzstoff und somit nicht deklarierungspflichtig.

Gleichbleibende Qualität – damit das Bier internationaler Brauereien überall gleich schmeckt, verwendet man PVPP um eine konstante Qualität sicherzustellen.

Durch das Thema vorbelastet, sah mein Dialog mit dem Leiter einer Brauereiführung kürzlich so aus:

Mario A.: Für was wird denn das Bierklärmittel verwendet?

Brauereiführer: Habe ich noch nie gehört. Sie meinen sicher das Reinigungsmittel zur Desinfektion der Anlagen.

(Ein gezieltes Ablenkungsmanöver des Brauereiführers: Neben den Fässern mit PVPP standen tatsächlich Fässer mit einem Reinigungsmittel auf der Laderampe)

Mario A.: Da hinten standen auf der Rampe so schicke, blaue Fässer mit der Aufschrift Bierklärmittel.

Brauereiführer: Keine Ahnung was sie meinen.

Mario A.: Ist sicher auch nicht das beste Thema für sie.

Brauereiführer lacht verlegen

Mario A.: Mich interessiert nur mit was hier filtriert wird. Kenne nämlich nur die Verfahren mit Aluminium- und Holzspäne.

Brauereiführer:
Wir machen das mit Muschelkalk.

Interessant – und doch so rein. Gar nicht lustig war auch die Aussage, dass 2-3 Flaschen Bier am Tag total gesund wären, weil Bier isotonisch ist.

Dass nur alkoholfreies Bier eine isotonische Wirkung hat wurde glatt vergessen. Ebenso die Aussage, dass in den im Hopfen enthaltenen Bitterstoffen weibliche Hormone (Östrogene) enthalten sind, durch die bei hohem Bierkonsum, auch Männer Brüste bekommen können.

Welchen Nachgeschmack PVPP hinterlässt ist nicht bekannt, für mich ist es ein bitterer.

In diesem Sinne: Prost!

Mehr Informationen zum Thema:
Wikipedia: Reinheitsgebot
Wikipedia: Polyvinylpyrrolidon
Immer gut: Foodwatch Abgespeist-Blog
Die reine Wahrheit
Das Biergesetz

Direkt aus Motorcity
Mario

Comments

  1. NNett geschrieben, aber leider nur eine komplette Ansammlung polemischer Halbwahrheiten…
    Weder ist Pvpp ein bierklaermittel.. Und wird auch so nie verkauft… Sondern ein stabilisierungsmittel .. Noch wird Bier mit Muschelkalk filtriert..
    Irgendwie reichlich dubios alles…:-(

    Klar.. Bier braucht per se kein stabilisierungsmittel so es fix verbraucht wird… Leider… Oder zum Glück… Ist die Bundesrepublik nun mal ein exportland… Und weitere Transporte erfordern nun mal eine gewisse Stabilität des Produkts… Deshalb und um Trübung zu vermeiden verwenden Brauereien das extrem teure Pvpp.. Reste im Endprodukt sind durch sichere filtersysteme ausgeschlossen… Und selbst diese wären absolut unschädlich …

  2. Filtration mit Aluminium oder Holzspänen? ist mir neu. und mit muschelkalk hat der gute führer kieselgur gemeint. das sind getrocknete, gebrannte und gemahlene kieselalgen (diatomeenerde) anschließend folgt meißt noch eine filtration mit celluloseschichten zur entkeimung.

  3. Filtration mit Buchenspaenen ist nicht neu. Dafuer ist es gesundheitlich voellig unbedenklich.
    Wenn man dem Bier die Zeit zum Reifen laesst, muss auch nicht gross filtriert werden.
    Und Schuld an den Biertitten sind Phytoestrogene die von Natur aus im Hopfen enthalten sind. Deswegen wachsen Koelschtrinkern auch keine.

    Lasst die Massenbiere aus dem Koerper, trinkt nur noch bei lokalen Hausbrauern!

  4. Prost. Nachdem ich mich mit Hopfenextrakt und PVPP beschäftigt hatte, ging ich auf die Suche nach einem unverfälschten Bier, zum Glück habe ich in der Nähe eine Privatbrauerei gefunden
    (Vogtland), die wirklich nach dem Reinheitsgebot braut. Das Bier schmeckt zwar etwas malzig und ich habe eigentlich immer die herben Biere bevorzugt, aber es haben sich wundersame
    positive Dinge bezgl. Wohlbefinden und Verdauung eingestellt. Wenn auch die Flasche nicht so dekorativ aussieht wie Markenbiere, daß ist mir vollkommen wurscht. Entscheidend ist, was drin ist, Wasser, Hopfen, Gerstenmalz und sonst nix.

  5. Hi

    Ich höre immer nur „Wasser, Hopfen, Malz“. Wie bitteschön soll der Gärungsprozess denn in Gang gesetzt werden? Oder gibt es tatsächlich Biere in denen keine Hefe drin ist? Täte mich wundern und würde mich sehr interessieren.

  6. aaalso … PVPP wird ja auch im Weinbereich vereinzelt eingesetzt, es ist kein Klärungsmittel oder Filterhilfsstoff, sondern hat die Eigenschaft Bitterstoffe zu binden.
    Sprich durch Zugabe kann man die Bitterkeit des Bieres etwas nehmen. Der Hintergrund ist einfach, dass eben nicht jede Charge anders schmeckt, sondern ähnlich oder gleich, sonst nichts.
    Es ist ein weißes Pulver, recht fein, das sich aber nach Zugabe sehr gut im Fass wieder absetzt und beim Abstich liegen bleibt.
    Sollte es in den Filter kommen bleibt es spätestens dort hängen oder verblockt den

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