Datenschutz: Warum Alice DSL wildfremden Menschen Kundendaten weitergibt

Vorgeschichte
Vor knapp vier Wochen landete eine E-Mail in meinem alten Postfach bei GMX. „Sehr geehrter Herr P.*, wir freuen uns Sie als Kunden bei Alice begrüßen zu dürfen“. Absender: Der Telefonie- und DSL-Anbieter Alice aus Hamburg.

Ein großer Schreck, zumal Fehler bei Kommunikationsunternehmen erfahrungsgemäß immer in Arbeit für den Kunden, oder in meinem Fall, Nichtkunden enden.

Nach einer kurzen Recherche in der Auftragsbestätigung, fand ich die Rufnummer von Herrn P.* aus Berlin. Einen Anruf später, war er über den Vorgang informiert. Mit einem weiteren Anruf informierte ich Alice über den Fehler. In dem Telefonat bestätigte mir die Dame von der Bestell-Hotline, dass man meine E-Mail Adresse aus dem System gelöscht habe. Im Gegenzug löschte ich die E-Mail, die ich unverlangt zugesandt bekam.

Somit war ich für Alice nicht mehr existent.
Dachte ich zumindest.

„Lieber Herr P.*“
Heute Morgen trudelte der (mutmaßlich) monatliche Newsletter zum Thema „Just Dance“ in meinem GMX Postfach ein – der Absender: newsletter@newsletter.alice-dsl.de.

Mein erster Gedanke: Ich trage mich einfach aus dem Newsletter aus. Das geht allerdings nur mit den Kundendaten von Herrn P., die mir nicht mehr vorliegen. Was tut der genervte Nichtkunde? Er ruft die kostenlose Bestell-Hotline an, schildert den Fall und wird von einem Mitarbeiter mit dem Kundenservice „verbunden“, was allerdings nicht in einer Weitervermittlung, sondern der Bandansage für eine kostenpflichtige 01805 Rufnummer endet.

Ein weiterer Anruf bei der Bestell-Hotline fördert, nach Schilderung des Falles, folgende Informatione, die zur Problemlösung führen sollen.

Lösungsansätze:

  • Frau M.** von der Bestell-Hotline, kann nichts tun, dass muss das „BK“ machen, die nur über die kostenpflichtige Rufnummer zu erreichen sind.
  • Ich soll Herrn P. eine E-Mail schicken, nur wohin? Ich könnte mir bei GMX schließlich ähnliche Adressen anzeigen lassen. Wie viele ähnliche Adressen es gibt will ich hier lieber nicht erwähnen.
  • Ich soll den Alice-Kunden Herrn P*. selbst anrufen. Dazu will mir Frau M.** – ganz unüblich – seine Handynummer, die mit 0157 beginnt, geben. Das ist nicht nur datenschutzrechtlich bedenklich. Ich lehne nach der Vorwahl mit dem Hinweis auf den Datenschutz und mir entstehende Kosten ab.
  • Stattdessen bitte ich Frau M.** selbst mit Herrn P. Kontakt aufzunehmen und mich im Nachgang über die komplette Löschung meiner E-Mail Adresse aus den Alice Daten zu informieren.
  • Update 12.03.2010
    Keine Rückmeldung seitens Frau M. von Alice DSL, stattdessen landet eine Umfrage des Alice Meinungsbarometers in meinem Postfach.

    Update 13.03.2010
    Anruf bei der Alice DSL-Hotline mit der Bitte um eine Adressänderung. Wurde vollzogen. Ich bin gespannt, ob für immer.

    Fazit
    Dass Telekommunikationsanbieter in meinen Augen meistens unfähig sind, ist nichts Neues. Bis auf die Unternehmen Vodafone (Mobilfunk) und die 1&1 Internet AG (Webhosting) habe ich noch keine positiven Erfahrungen gemacht. Am sichersten ist bei Festnetz & DSL-Anschlüssen jedoch nach wie vor die Deutsche Telekom. Wenn es dort einmal funktioniert, funktioniert es. Wer da zu einem anderen Anbieter wechselt riskiert nur ein monatelanges Hickhack in Schuldzuweisungsfragen zwischen den Anbietern.

    Fortsetzung folgt.

    Herr P.* & Frau M.** = Die Namen sind dem Autor bekannt, wurden jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen unkenntlich gemacht.

    Direkt aus Motorcity
    Mario

    Comments

    1. Der Herr P. hat doch auch deine E-Mail-Adresse für seinen Handyvertrag bei mobilecom angegeben, oder? Du kennst doch die Handynummer von Herrn P. ;) Der Kerl sollte erstmal seine eigene E-Mail-Adresse herausfinden, bevor er weitere Verträge abschließt.

    2. Hallo ich möchte Ihnen ein Kompliment aussprechen: Es ist toll, dass Sie bzgl. der Nutzungsmöglichkeiten und der korrekten Anwendung informieren. Nur dies wird langfristig das Vertrauen der Menschen bzgl. der Nutzung Ihrer Daten aufrechterhalten. Darum müssen auch Missstände auf den Tisch.

      Ich möchte Ihren Blog nicht missbrauchen und Werbung machen. Jedoch würde mich sehr interessieren, was Sie über unseren Versuch der Realisierung einer Kundenkarte für kleinere Geschäfte halten. Gerabo hat sich dabei zum Ziel gesetzt, dass wir keine Kundendaten überhaupt erheben. Letzlich mit einer Emailadresse, die aber auch anonym sein kann, kann man sich bei uns registrieren und die Karte und sogar die Kundenapp nutzen. Was halten Sie von diesem Konzept, dass überhaupt keine Daten erhebt? Sehen Sie andere Aspekte kritisch? Sie würden uns mit Ihrer Einschätzung sehr helfen, da wir als StartUp versuchen angemerkte Aspekte umzusetzen. Ich spreche Sie an, da Datenschut ein Thema für Sie ist und ich wirklich gerne Ihre Meinung zu unserem Konzept interessiert.

      Habe Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung.

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