Dilettantismus

Cordless

Konkurrenz belebt das Geschäft – sagt man
Schlechte, oder schlichtweg unprofessionelle Dienstleister sind für den professionell auftretenden und agierenden Dienstleister kein Problem. Jeder Dienstleister hat in seinem eigenen Umfeld eine Klientel die er bedient. Wenn der Auftraggeber einmal gesehen hat wie professionell ein Projekt durchgeführt wird, wird er auf keinen Fall mehr den unprofessionellen Dienstleister wählen.

Teilweise finde ich das Erlebte in anderthalb Jahren Selbständigkeit in diesem Bereich erschreckend. Unprofessionelle Fotostudios welche stümperhaft gestaltete Flyer auslegen, Fotografen die schnell Bilder liefern sollen, aber erst Tage später Entschuldigungen vorschieben, warum es nicht geklappt hätte, Agenturen die Promotionarbeit leisten sollen, aber den Hintern nicht hochbekommen und selbsternannte Grafiker mit unlizensierter Software, die lieblose Designs zusammendängeln und es dabei nicht mal gebacken kriegen die Daten für Dritte professionell aufzubereiten.

Da fragt sich ein stets zuverlässig und professionell agierender Fotograf, Texter und Gestalter, wie diese Menschen es schaffen mit ihrem geballten Dilettantismus Geld zu verdienen.

Aber sie schaffen es – weil die Auftraggeber nichts Besseres kennen – oder selbst Dilettanten sind.

Gleich und gleich gesellt sich bekanntermaßen gerne.

Bild des Tages
Ganz und gar nichts mit dem Thema dieses Eintrages zu tun haben die Jungs von Cordless. Eines meiner Lieblingsfotos aus unserem Shooting in Wiesbaden.

Aus Motorcity
Mario

Comments

  1. Der Professionalitätsgrad ist schwer zu messen, jede Jammerei darüber ist daher auf der Skala der relativen Jammereien einzuordnen. Letztlich entscheidet der Kunde eben, wie viel Professionalität er mit wie viel Budget kaufen möchte (oft mangelt es ihm ja auch an Bewertungsmaßstäben).
    Nichts desto trotz teile ich Deinen Frust oftmals – man muss eben beim Kunden das Bewusstsein für Qualität erst etwas ausprägen – aber spätestens wenn sie mal ordentlich auf die Schnauze gefallen sind, lernen sie dazu.

  2. Wenn das Geld und die Umstände nicht stimmen, kann ich oft auch nicht das Beste Ergebnis abliefern, so ist es nunmal und man sieht sich oft auch nicht “nur” als Grafiker sondern als Künstler. Wenn aber der “Arbeitgeber” die Kunst nicht Interessiert sondern ein schnelles Ergebnis für wenig Geld sehen will, dann muss man sich selbst sagen “Scheiß drauf, fahr in die Hölle”… (Achtung: Verschiedene Definitionen möglich). So stoß ich oft auch auf meine Grenzen, aber ich versuche meine Sturheit zu bekämpfen, in dem ich mir denke, dass der “Arbeitgeber” sogar mit der abgelieferten Arbeit mehr als Zufrieden sein wird, was immer der fall ist und was mir dann immer mehr zeigt, dass viele Menschen einfach kein Plan haben.

    Ja, das ist das eine, aber das andere sind diese unprofessionellen MENSCHEN DIESE EHLENDEN DRECKSSPACKEN DIE EINFACH KEIN EHRGEIZ UND DISZIPLIN HABEN! IN DIE HÖLLE MIT IHNEN!

  3. @Alterego: Schlimm ist es nur dann, wenn der Kunde unprofessionalität bezahlt und denkt es ist etwas gutes. Mag sein dass die Dinge für seine Maßstäbe absolut ausreichend sind. Jedoch widerstrebt sich mir der Gedanke, dass jemand einem selbsternannten Mediendienstleister Aufträge gibt, die jeder drittklassige Laie hinbekommen hätte. Und dafür auch noch bezahlt.

    @Timucin: Ich weiß gar nicht warum du dich im letzten Absatz so aufregst. Das Problem erledigt sich im Endeffekt ja selbst ;).

    @Niclas: Mit Ungerechtigkeit hat das nichts zu tun, viel eher mit Unwissenheit. Erschreckend ist nämlich, wie begeistert Menschen plötzlich über eine professionelle Arbeit sein können, die vorher unprofessionell erledigt wurde.

    Es grüßt aus Motorcity
    Mario

  4. Erste These: “Wenn der Auftraggeber einmal gesehen hat wie professionell ein Projekt durchgeführt wird, wird er auf keinen Fall mehr den unprofessionellen Dienstleister wählen.”

    Er (der Kunde) wird immer den wählen, bei dem er sich am wohlsten fühlt. Und das kann durchaus auch “jeder drittklassige Laie” sein. Der stellt unter Umständen weniger Fragen, ist verständlicher für den Kunden und für ihne generell unkomplizierter (kein Briefing, keine Meetings, keine Recherche usw.) . Außerdem ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz einfach günstiger …

    Zweite These: “Schlimm ist es nur dann, wenn der Kunde unprofessionalität bezahlt und denkt es ist etwas gutes.”

    Ich behaupte mal, dass die Meisten ohne Murren bezahlen weil es einfach OK ist. Wer kauft heute noch zwangsläufig “gut” – wo “gut” doch ganz eng mit “teuer” verknüpft ist? Es geht um eine Dienstleistung. Und ist diese ganz einfach OK (und vielleicht auch zweckerfüllend), wird diese einfach hingenommen.

    “Mit Ungerechtigkeit hat das nichts zu tun, viel eher mit Unwissenheit.”
    Das ist aber ja eigentlich nicht das Thema. Dein Problem ist, dass du dich einfach darüber ärgerst, dass andere Leute Aufträge bekommen, die du unter anderen Bedingungen gerne gemacht hättest. Das ist jetzt mal meine These …

    “Erschreckend ist nämlich, wie begeistert Menschen plötzlich über eine professionelle Arbeit sein können, die vorher unprofessionell erledigt wurde.” Das ist nicht erschreckend. Es ist doch gut, dass es so ist?

  5. @Niclas: Bei der ersten und zweiten These gebe ich dir recht.

    These 3:
    “Mit Ungerechtigkeit hat das nichts zu tun, viel eher mit Unwissenheit.”

    “Das ist aber ja eigentlich nicht das Thema. Dein Problem ist, dass du dich einfach darüber ärgerst, dass andere Leute Aufträge bekommen, die du unter anderen Bedingungen gerne gemacht hättest. Das ist jetzt mal meine These…”

    Dieser Eintrag ist eine generelle überlegung, basierend auf Erfahrungswerten und Dingen die ich selbst bei anderen mitbekommen habe. Ich war glücklicherweise noch nie in der Situation aktiv Akquise betreiben zu müssen und am Ende zu sehen, wie ein Konkurrent den Auftrag bekommt. In den meisten Fällen wissen meine Kunden ganz genau was sie wollen. Sie kommen zu mir, weil sie wissen dass ich ihnen bieten kann was sie suchen.

    Kleine Notiz am Rande: Insgesamt sollte der Eintrag eher nachdenklich als verärgert klingen. Denn verärgert bin ich nicht.

    Es grüßt
    Mario

  6. Ich kann meinen Vorrednern größtenteils Recht geben. Ich bin (zwar in einem anderen Bereich) seit nun mehr als 2 Jahren selbstständig, und muss auch ständig wieder und wieder diese Erfahrung machen. Man darf sich einfach den Heilsversprechungen und Wunschvorstellungen des Geschäftslebens nicht hingeben. Man muss, entgegen der Debatten in Presse, Funk und TV einfach akzeptieren: Professionalität setzt sich nicht durch, wie jede andere Qualität sich auch nicht zwangsläufig durchsetzt in Umfeld von Märkten, Konsumenten und Produzenten. Es stecken andere (mir immer noch nicht ganz vertraute) Prinzipien dahinter, meistens jedoch vollkommen subjektive (!). Professionalität wirkt und ist in diesem Mikrokosmus konsequenterweise zwangsläufig als wie eine Rand-Erscheinung zu bewerten.

    Was ich damit nicht sagen möchte, ist, dass man auf seine Professionalität/ professionellen Ansatz verzichten sollte. Professionalität (und alles, was damit zusammenhängt) ist meiner Ansicht nach das Klebe-Mittel zwischen Anbieter und Kunde – nicht jedoch der Effekt, um neue Kunden zu werben. Das geschieht dann höchstens noch per Mundpropaganda.

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